Eine Welle der Lichter umringt die Welt

Jedes Jahr sterben allein in Deutschland 20000 Kinder und junge Erwachsene, weltweit sind es um ein vielfaches mehr. Zurück bleiben trauernde Eltern, Geschwister Großeltern und Freunde.

All diese Menschen auf der ganzen Welt stellen am 2. Sonntag im Dezember um 19 00 Uhr eine brennende Kerze  ins Fenster für ihre Kinder, Geschwister und Enkelkinder. Während Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet,, so dass ein Lichterband  24 Stunden die Welt umringt, und an die vielen Kinder erinnert die viel zu früh gehen mussten. Jedes Licht steht für das Wissen, das unsere Kinder das Leben erhellt haben, und das sie nie vergessen werden. Das Licht steht auch für die Hoffnung dass die Trauer das Leben der Angehörigen nicht immer im Dunkeln bleiben möge.

Die Initiative geht von den "Compassionate Frinds" USA aus. Sie entsprechen den "Verwaisten Eltern" in Deutschland. Die Initiative zum "Wordlwide Candlelighting" (weltweite Kerzenleuchten) fand 1999 das erste Mal statt. Sie breitete sich aus und hat seitdem Weltweit seinen festen Platz in jedem Jahr am zweiten Sonntag im Dezember.

Weltgedenktag 2014

Am 14. Dezember 2014 werden wir wieder einen Gottesdienst zum Weltgedenktag mitgestalten.

Termin: 14.12.2014, 16.00 Uhr, Kapelle im Klinikum, Nürnberger Str.

Weltgedenktag 2013 "Alles hat seine Zeit"

Planung und Gestaltung:
  Katholische Klinikseelsorge
  Klinikum Neumarkt
  Xaver Bösl, Diakon
  Verwaiste Eltern Neumarkt
Musikalische Begleitung: - Viva la Lieda-

Einzug:- Instrumental-

Anfang:-„ Alle Knospen springen auf“-

Begrüßung

Lied zum Kyrie: -„Jesus berühre mich“-

Tagesgebet

Lesung: Die Ankündigung des messianischen Reiches

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes.
Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib.
Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten.
Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.
Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.
An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig.
An jenem Tag wird der Herr seine Hand von neuem erheben, um den übrig gebliebenen Rest seines Volkes zurückzugewinnen, von Assur und Ägypten, von Patros und Kusch, von Elam, Schinar und Hamat und von den Inseln des Meeres.

Lied:-„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“-

Predigt: Liebe verwaiste Eltern, liebe trauernde Angehörige!

Vor einiger Zeit hatte ich hier im Klinikum ein Gespräch mit einem ca. 80-Jährigen Patienten. Weil er den ganzen Tag liegen musste, ging ihm sein ganzes Leben durch den Kopf. Im Gespräch mit mir hielt er Rückschau wie alles so war. In einem Nebensatz erwähnte er den Tod seines Sohnes, der im Kindesalter nach einem tragischen Verkehrunfall im achten Lebensjahr verstorben war. Ich fragte ihn, was er den heute fühle.

Nach kurzem, unruhigem  Schweigen brach er in Tränen aus und weinte bitterlich. Er weinte so sehr, als hätte er eben erst die Todesnachricht erhalten. All die vielen Jahre, es waren weit über sechzig,  hatte er nicht mehr darüber gesprochen, wollte nicht, hatte den Schmerz eingeschlossen, abgekapselt, wollte einfach funktionieren, weitermachen, die Familie versorgen. Phantasien hat  er kaum zugelassen, „was der Junge wohl jetzt machen würde, wenn er noch an Leben wäre?“ Gedanken dieser Art erstickte er im Keim, „die bringen ja nichts“
Sich eine harte Schale zulegen, sich dadurch schützen vor einem unerträglichen Schmerz, das ist sehr häufig die Strategie trauernder Eltern, besonders die der trauernden Väter. Eine, wie ich finde, zunächst  sinnvolle Strategie. Manchmal auch ein Gegengewicht zur verzweifelt weinenden Mutter. Einer muss ja funktionieren, Geld verdienen, dafür sorgen, dass es irgendwie weitergeht.

Spannungen entstehen, Fragen tun sich auf: „Wie kann er nur so kalt sein? Will er sein Kind vergessen?“ Der Vater dagegen: „Nach drei Jahren müsste doch endlich Schluss sein mit dem Weinen. Wir müssen doch weiterleben!  Können doch nichts dran Ändern!“ Er will seinen Schmerz seiner Frau nicht zeigen, er selbst will ihn nicht fühlen müssen. „Einfach zuviel. Wenn er auch noch… Nein!“

So eine harte Schale hat schon ihren Sinn: sie schützt, sie gibt die Möglichkeit des Rückzuges, der Abgrenzung. Man kann für sich sein, muss nicht wie ein offenes Buch ständig Auskunft geben was man denkt,  sagen wie es einem geht und so.
Aber ob es sinnvoll ist, auf Dauer so abgekapselt zu leben? Besteht nicht die Gefahr, die eigene Lebendigkeit zu verlieren? Kalt zu werden? Nicht mehr viel zu spüren von der Schönheit des Lebens? Braucht es da nicht öfters ein Gläschen mehr, Wärme von innen her, um nicht zu erfieren?

Menschen, die sich dauerhaft einigeln, laufen schon Gefahr, sich auch von vielen schönen Gefühlen abzukapseln. Dazu gehören Lebensfreude, Staunen können, Lebenslust, fröhliche Lieder singen... Mit einer harten Schale ist es schwer, unbeschwerte und heitere Momente zu genießen. Mit einer harten Schale ist es schwer,  zärtlich zu sein, Sexualität zu leben, vertraut und intim miteinander zu reden. Dazu braucht es Offenheit, Weichheit, Einfühlsamkeit. Harte Schalen sind da extrem hinderlich.

Menschen, die mit einem verschlossenen Partner/in, mit einer harten Nuss zusammenleben, möchten die Schale schon knacken. Man muss doch an ihn/sie rankommen! Dieses Knacken von außen birgt die Gefahr, den weichen Kern zu verletzen oder gar zu zerstören.  Nicht wenige Ehen zerbrechen nach dem Tod eines Kindes.

In der Natur lässt es sich beobachten: Wenn so eine harte Nuss in weiche Erde fällt, ein wenig darin einsinkt und Feuchtigkeit auf die Schale einwirkt,  wenn dann im Frühjahr die Erde von der Sonne erwärmt wird, dann bricht die harte Nuss  auf. Aus ihrer Mitte sprosst ein Trieb hervor, wurzelt ein  und strebt dem Licht entgegen. Neues Leben entsteht.

Für den trauernden, gealterten Vater, den ich anfangs erwähnte, hat es anscheinend über 60 Jahre gedauert, bis er sich öffnen konnte. Im Krankenhaus mit seiner speziellen Atmosphäre, in der Menschen krank sein dürfen, leiden dürfen, weich sein dürfen, nicht funktionieren müssen, da war es ihm möglich. Schwestern, Pfleger, Ärzte und Seelsorger waren für ihn da. Das gab ihm Sicherheit. Auch seine Krankheit hatte ihn weich gemacht. Seine Schmerzen ließen ihn sich selber spüren. Er hatte ein Recht auf seine Schmerzen und ein Recht auf Zuwendung. So war er wieder angekommen mit seinen Gefühlen in dieser Welt. Natürlich hätte ich ihm gewünscht, dass er sich schon früher hätte öffnen können.

In der Trauer Verhärtete brauchen also keine Knackzange,  sondern eine Umgebung, die sie einlädt, sich zu öffnen, eine Umgebung, die ihnen Mut macht, die Verhärtungen zu sprengen. Eine Umgebung, die den zarten Veränderungen Raum gibt, die Zeit lässt und die nicht fordernd  ins offene Herz hineinschreit.

Manchmal brauchte es aber auch heilsame Zumutungen von außen.
Eine 70-jährige Patientin, die vor ca. 30 Jahren ihre Tochter verloren hatte, erzählte mir am Krankenbett: „ Vier Jahre waren seit dem Tod meines Kindes vergangen. Wieder einmal stand ich am Grab und weinte bitterlich. Da kam eine  Frau aus der Nachbarschaft, mit der ich mich immer sehr gut verstanden hatte,  zu mir her und sagte: ´“Anne, lauh dei  Moil endlich laous und find´di damit oh!“ Das hat mir einen Riss gegeben, das hat närrisch weh  getan. Ich wäre ihr am liebsten an die Gurgel! Aber der Satz hat mich nicht mehr losgelassen. Schließlich hatte ich das Gefühl: Es darf sich etwas ändern in mir. Es muss nicht so bleiben. Nun  hat sich im Laufe der Jahre viel verändert. Ich kann wieder leben. Auch wenn kein Tag vergeht, an dem ich nicht an meine Tochter denke.“

Im heutigen Lesungstext ist von einem Trieb die Rede, der aus einem Baustumpf hervorsprießt. Ein abgeschnittener Baumstumpf, der wie tot scheint, von dem man nichts mehr erwarten würde, keimt erneut aus und bringt einen Spross hervor. Dieser  Baumstumpf ist Symbol für Israel, das im 8. Jahrhundert v. Chr. unterzugehen scheint. Das Volk wird zerschnitten von den mächtigen Fürsten Assurs. Mitten in die Todesstimmung hinein verkündet der Prophet Jesaja, dass ein Spross kommen wird, der Retter, der Messias. Er wird die Menschen  mit einem neuen Lebensstil bekannt machen, er wird der Menschheit eine Zukunft ermöglichen, weil man gewaltfrei und friedlich wird leben können. Wir Christen erkennen in diesem Spross Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Seine Geburt, seine Menschwerdung feiern wir in diesen Tagen auch mit dem Bewusstsein, dass sein irdisches leben nur von kurzer Dauer war. In hartem Fels hatte man seinen Leib bestattet. Doch die Liebe zu seinem Vater durchbrach den Fels des Todes und ließ ihn neu sein in Gottes Herrlichkeit.

Wir Christen glauben, das Jesus Christus der Auferstandene im Herzen eines jeden Menschen gegenwärtig ist, dass er schweigend und tief verborgen mit seiner Liebe in unserer Seele einwohnt als unsterblicher Lebenskeim. Ja sein Geist, sein Lebenskeim in uns  verleiht einem jeden Menschen Unsterblichkeit. Davon bin ich fest überzeugt. 

Gott muss uns nicht knacken, nicht öffnen. Er ist gegenwärtig in jedem Menschen, auch in den verhärtetsten Seelen. Dort wartet er mit der Geduld der großen Liebe, um da zu sein, wenn Trauernde sich öffnen  und diesen schmerzlichen Prozess angehen wollen. Sein Wort gilt: Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Viele trauernde Eltern, die  schon auf einen längeren Weg der Trauer zurückblicken können, bestätigen dies: Gott tröstet Trauernde! Mit seiner Hilfe streben Menschen, die vom Schatten des Todes berührt sind,  dem Licht des Lebens entgegen.
Xaver Bösl, Diakon©

Lied:- „Menschen auf dem Weg durch die dunkle Nacht“-

Verteilung der Nüsse
 

Fürbitten Christa :-„ leise instrumentale Begleitung“-

Nach dem Tod eines Kindes bricht bei uns Eltern eine Welt zusammen.
Nichts ist mehr so, wie es einmal war.
Schmerz, Wut, Hilflosigkeit und unendliche Trauer machen sich in unseren Herzen breit und umgeben uns mit einer harten Schale. Man fühlt sich gefangen, wie in einer Nuss.

Jesus Christus wir bitten dich:

-Steh allen Trauernden und Verzweifelten bei, die in ihrer Traurigkeit keinen Blick nach vorne wagen.

-Lass uns dankbar sein, für die kostbare und wertvolle Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen durften.

-Freud und Leid liegen oft eng beieinander.
Lass uns Momente der Freude genießen, gib uns aber auch Kraft, das Leid anzunehmen.

-Gib uns Mut, damit wir Gefühle zulassen und auch zeigen können.

-Lass jeden seinen eigenen Weg durch die Trauer finden und stelle ihnen Menschen zur Seite, die Geduld und Verständnis haben.

-Lass unsere Kinder in deinen Händen so beschützt und geborgen sein, wie eine Schale ihre Frucht oder den Kern schützt.

Vaterunser

Lied: -„Meine Zeit steht in deinen Händen“-

Schlußgebet und Segen

Abschluss: -Solo-Anja Krieger-„Weit-Weit-Weg“