Michael, 14.10.1987 - 21.04.2007

Am 21.04.2007 bekamen wir um 5:00 Uhr eine Nachricht, die alles veränderte. Unser Sohn Michael ist von einer Rocknacht nach Hause gegangen und wurde ca. 2 km von zu Hause entfernt, von einem Auto überfahren. Obwohl neben der Bundesstraße ein Rad- bzw. ein Fußgängerweg parallel verläuft, ist es uns ein Rätsel, warum er damals auf der Hauptstraße ging. Er wurde sehr schwer verletzt und mit dem Rettungshubschrauber nach Nürnberg geflogen. Da hatten wir noch Hoffnung, dass er überlebt, doch nach ca eineinhalb Stunden kam die Polizei mit dem Pfarrer und brachten uns die traurige Nachricht, dass Michael verstorben ist. Es war für uns ein großer Schock, als würde der Boden unter unseren Füßen weggezogen werden.

Wir fühlten uns, als ob unsere Welt zerbrechen würde. Es gab eine Zeit, wozu wir zu nichts Lust hatten, es war alles egal und sinnlos. Es gibt auch heute noch Situationen, in denen wir uns total allein gelassen fühlen und es wird auch in der Zukunft solche Momente geben.

Nach einiger Zeit erfurhen wir dann von dieser Selbsthilfegruppe und beschlossen, sie einmal zu besuchen. Wir mussten feststellen, dass diese Stunden uns gut tun. Hier konnten wir über Probleme sprechen, die auch andere verstehen und haben. Dadurch lernten wir mit der Trauer anders umzugehen. Wir sind dankbar, dass wir noch zwei Töchter haben, die uns auf diesem schweren Weg, dennoch Kraft und Halt geben. Wir reden oft über die schöne Zeit, als Michael noch bei uns war und haben dann das Gefühl, als wäre er nie von uns gegangen. Er war der wundervollste und ein guter Junge, den man sich nur wünschen konnte. Er war unser Engel auf Erden.

Ein Gedicht, dass auf dem Sterbebild stand:

Der Tod hat keine Bedeutung -
ich bin nur nach nebenan gegangen.
Ich bleibe wer ich bin
und auch ihr bleibt dieselben.
Was wir einander bedeuteten bleibt bestehen.
Nennt mich bei meinem vertrauten Namen.
Sprecht in der gewohnten Weise mit mir
und ändert euren Tonfall nicht!
Hüllt euch nicht in Mäntel
aus Schweigen und Kummer.
Lacht wie immer über die
kleinen Scherze, die wir teilten.
Wenn ihr von mir sprecht, so tut es ohne
Reue und ohne jegliche Traurigkeit.
Leben bedeutet immer nur Leben -
es bleibt so bestehen - immer -
ohne Unterbrechung.
Ihr seht mich nicht, aber in
Gedanken bin ich bei euch.
Ich warte eine Zeit lang auf euch - irgendwo, ganz in der Nähe - nur ein paar Straßen weiter.

Michi, wir werden dich nie vergessen

in Liebe,
Mama und Papa,
Kari und Manu

Bericht einer betroffenen Mutter

Mein Sohn Thomas ist im Alter von 23 Jahren, in der Nacht vom 18. auf den 19. April 2000 beim überqueren des Bahngleises vom Zug erfasst und getötet worden.

Er war mein einziges Kind und damals dachte ich, das überlebe ich auch nicht.
In der ersten Zeit war ich wie versteinert und fühlte mich mit meinem Schicksal alleine gelassen. Dann erfuhr ich von der Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern. Diese besuchte ich und habe erfahren, dass ich mit meiner Trauer nicht alleine bin. Dort kann ich auch nach Jahren noch über mein geliebtes Kind und alles was mich so bewegt sprechen. Mir persönlich hat diese Gruppe, die ich immer noch besuche, sehr geholfen.

Thomas Jungbauer, 28.03.1981 - 11.09.2004

Es geschah im September 2004, als unser Sohn Thomas um's Leben kam. Noch heute sehe ich ihn, als er an diesem Samstag, 04.09.2004, nach dem Duschen von der Treppe herunterkam, mich anlächelte und fragte, ob ich ihm seine Jeans bügeln könnte. Er ging noch einmal hoch in sein Zimmer und als er wieder runterging, meinte er, er ziehe seine weiße Hose an. Nachdem er sich noch die Zähne putzte und sich - wie immer, bevor er fortging - von Kopf bis Fuß mit seinem Lieblingsparfum einsprühte, kam auch schon meine Schwester, denn wir wollten am nächsten Tag ihren Mann auf Kur besuchen. So gegen 15.30 Uhr stieg er dann zusammen mit meiner Tochter ins Auto, denn er wollte sie noch zu ihrer Freundin fahren. Ich gab ihm noch 60 Euro, weil er in die Disco gehen wollte, und mahnte ihn, er solle bitte langsam fahren. Daraufhin meinte er nur: "Mama, du kennst mich doch!" Lächelnd winkte er mir noch einmal zu und fuhrt los. Das war das letzte Mal, dass ich meinen Sohn sah. Am Abend ging ich mit meinem Mann, meiner kleinen Tochter und meiner Schwester mit unserem Hund spazieren. Währenddessen ist Thomas noch einmal nach Hause gefahren, um sich noch eine Lasagne zu machen. Dann schrieb er auf einen Zettel: "Hallo, ihr Kacker. Kann wieder schreiben. ? Ich habe mir eine Lasagne gemacht, hat total besch… geschmeckt. Sehen uns morgen wieder. Hab euch lieb… Tom" Diesen Zettel hob ich mir auf, ich weiß bis heute nicht, wieso. An diesem Samstagabend gingen wir dann schon früh ins Bett, da wir am nächsten Morgen schon früh aufstehen mussten. Am Sonntagmorgen, so gegen 7.30 Uhr fuhr ein Auto an unsere Einfahrt. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich ein Polizeiauto. Ich wusste sofort, es musste etwas Schreckliches passiert sein. Die Polizisten sagten uns, dass Thomas einen schweren Verkehrsunfall mit seinem Kumpel hatte und Thomas mit dem Hubschrauber nach Regensburg ins Uni-Klinikum geflogen wurde. Wir fuhren sofort nach Regensburg. Die Fahrt dorthin dauerte nur eine knappe Stunde, doch uns kam es vor wie Stunden. Als wir im Klinikum ankamen, brachte uns ein Arzt in einen Raum und bat uns, noch einen Moment zu warten, er würde gleich kommen. Nach 1 Stunde Wartezeit kam endlich ein Arzt und teilte uns mit, dass Thomas schwerste Kopfverletzungen erlitten hat und er auf der Intensivstation im Koma liegt. Wir gingen zu ihm, doch als er da so lag, konnten wir gar nicht glauben, dass er es ist. Ein weiterer Arzt kam und klärte uns über die schlimmen Verletzungen auf und sagte, er könne sterben. Dabei brach für uns eine Welt zusammen. Jeden Tag besuchten wir ihn. Das Schlimmste war diese Ungewissheit: Wird er es schaffen? Wird er querschnittsgelähmt oder geistig behindert? Oder noch schlimmer: Wird er sterben? Dann am Donnerstag so gegen 22 Uhr bekamen wir einen Anruf vom Klinikum. Eine Ärztin sagte, dass der Druck des Gehirns zu hoch geworden ist und sie die Schädeldecke öffnen müssen. Ca. 2 Stunden später klingelte das Telefon und ein Arzt teilte uns mit, dass die Operation gut verlaufen sei. Am nächsten Morgen riefen wir im Krankenhaus an und fragten, ob wir ihn besuchen dürften. Der Arzt meinte, es wäre besser, heute nicht zu kommen, er braucht jetzt viel Ruhe. Da wir nur das Beste wollten, sind wir nicht reingefahren, was wir bis heute noch bereuen. Am Abend erkundigten wir uns, wie es ihm geht. Der Arzt sagte, er sei so weit stabil, doch Genaueres gibt es noch immer nicht. In dieser Nacht von Freitag auf Samstag klingelte so gegen 3.15 Uhr das Telefon. Ein Arzt teilte uns mit, dass es mit unserem Sohn zu Ende gehen würde. Nach nur kürzester Zeit rief der Arzt noch einmal an und sagte, dass Thomas soeben verstorben sei. Wir konnten es nicht glauben. Mein Mann gab mir eine Beruhigungstablette und rief meine Schwester an, sie solle zusammen mit ihrem Mann zu uns kommen. Den ganzen Tag saßen wir da und sagten nichts. Mein Mann fuhr zusammen mit meinem Schwager zum Bestatter und erledigte alles. Der Tag der Beerdigung kam und gemeinsam mit meinem Mann schaute ich unseren Sohn noch ein letztes Mal an. Ich gab ihm noch einen Kuss, legte ihm einen Brief von uns und eine Rose in die Hand. An die Beerdigung kann ich mich nicht mehr so genau erinnern. Wochen vergingen, dann erst kommt dieses Zeitlang, dieses Verlangen, ihn wieder haben zu wollen, ihn wieder sehen zu wollen. Jeden Tag wartet man und hofft, er würde wieder kommen, aber er kommt nicht wieder zurück. Das ist das Schlimmste, was Gott uns angetan hat. Unser Sohn war der wundervollste Junge, den man sich nur wünschen kann. Dieses Gefühl, diese Trauer kann man nicht beschreiben. Wir vermissen ihn so sehr. Doch er wird für immer in unseren Herzen weiterleben!

Christian Menßen, 19.11.1988 – 26.12.2004

Am 25.12.2004 traf uns die Nachricht vom Unfall unseres Sohnes Christian wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Eine Autofahrerin hatte unserem Sohn, der vor fünf Wochen seinen Mopedführerschein gemacht hatte, die Vorfahrt genommen. Durch einen Anruf der Polizei erfuhren wir von dem Unfall, der sich zwei Kilometer vor unserer Haustür ereignete. Es waren die schwersten Minuten meines Lebens, ihn dort im Krankenwagen schwer verletzt liegen zu sehen, ohne etwas für ihn tun zu können. Nachdem er mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde, brachten uns Freunde ebenfalls dort hin. Auf Grund seiner vielen schweren inneren Verletzungen und dem hohen Blutverlust machten die Ärzte uns von Anfang an keine großen Hoffnungen. 24 Stunden haben wir gebangt und gehofft. Diese Zeit war schrecklich für uns und wir werden sie nie vergessen. Am 26.12.2004 um 15.40 Uhr erhielten wir dann die Nachricht vom Tode unseres Kindes, das nur 16 Jahre alt werden durfte. Mit einem Mal überkam uns eine große innerliche Leere, wir standen unter Schock und wußten nicht was wir tun sollten. In dieser Zeit und auch in den Wochen danach haben uns unsere Freunde, Nachbarn und Verwandte (die leider viele hundert Kilometer von uns entfernt wohnen) einfach durch ihr dasein und zuhören geholfen. Wir konnten uns nicht oft genug über unser verstorbenes Kind unterhalten und ließen unser gemeinsames Leben mit ihm immer wieder an uns vorüber ziehen. Nach einigen Wochen zogen sich dann die Freunde und Nachbarn wieder zurück und wir blieben allein mit unserer Trauer. Auch unser jüngerer Sohn Matthias sprach wenig mit uns, er wollte uns mit seiner Trauer nicht noch mehr belasten. Nach einigen Internetrecherchen stellten wir fest, das andere betroffene Eltern ähnliche Probleme hatten wie wir und diese sich in Selbsthilfegruppen trafen. Acht Wochen nach dem Tod von Christian besuchten wir dann zum ersten Mal unsere Gruppe in Neumarkt. Anfangs waren wir sehr skeptisch, was wird uns dort wohl erwarten. Aber schnell stellten wir fest, dass fast alle die gleichen Probleme hatten wie wir. Auch die anderen Eltern wollten von ihren verstorbenen Kindern und ihren Gefühlen sprechen. Je öfter wir in diesem Kreis von unseren Gedanken und Gefühlen sprachen, um so leichter fiel es uns. Hier mußten wir nicht wieder funktionieren, sondern hier konnten wir traurig sein und um unser Kind weinen. Es verstanden uns alle, denn sie hatten alle das gleiche Schicksal. Nach ca. einem Jahr waren wir dann soweit, dass wir anderen trauernden Eltern, die neu dazu kamen, allein durch unser zuhören und dasein helfen konnten. Uns hat die Gemeinschaft der Verwaiste Eltern -Gruppe in den ersten Monaten nach dem Tode von Christian sehr geholfen und wir freuen uns immer wieder auf unser monatliches Treffen. Wir denken, dass nur selbst betroffene Eltern andere trauende Eltern verstehen können.

Heike und Ewald Menßen
Schnaittach
September 2006

Fabián Mendoza

Fabián kam am 29. April 2000 mit einer seltenen genetischen Erkrankung der Leber zur Welt, die erst einige Wochen nach der Geburt bemerkt wurde. Gleich zu Beginn wurde sein Leben von vielen Krankenhausaufenthalten bestimmt. Sehr schnell wurde klar, dass nur eine Lebertransplantation sein Leben retten konnte. Für uns brach die Welt zusammen. Am 8. Januar 2001 wurde Fabián transplantiert. Es ist sehr schwierig, ein Spenderorgan zu erhalten. Deshalb waren wir sehr froh, dass ich, seine Mutter, ihm einen Teil meiner Leber spenden konnte. Es war eine Freude zu sehen, wie er nach der Transplantation gedieh und sich wie ein "normales" Kind entwickelte.

Gegen mein inneres Gefühl gaben wir Fabián die verordnete Immunsuppression. Ungefahr ein Drei- Vierteljahr später wurde festgestellt, dass er damit überdosiert worden war und viele Lymphome im Bauch entwickelt hatte. Der Boden unter uns war weg. Er wurde erneut in die Transplantationsklinik ausgeflogen. Es folgten fünf sehr harte Monate Chemotherapie, um diesen Krebs zu besiegen.

Es war sehr beeindruckend mit anzusehen, wie tapfer, kämpferisch, selbstbewusst und freudig Fabián trotz aller Schmerzen und Komplikationen war. Nach der Chemotherapie musste ertrotz größter Bedenken die Immunsuppression etwas reduziert wieder einnehmen. Drei Monate später folgte ein Rückfall im Knochenmark. Diesmal bekam er nur Antikörper. Danach ging es ihm sehr, sehr gut. Eigenmächtig setzte ich das immunsupprimierende Medikament ab. Die Leber hatte immer gute Werte; sie war nicht mehr das Problem.
Wir erlebten einen wunderbaren Sommer mit Fabián. Er war den ganzen Tag draußen, spielte, fuhr mit Power Bobby-Car und war absolut fröhlich und glücklich. Im Oktober 2003 bekam er einen Tumor hinter dem Augapfel, der zunächst als Bindehautentzündung diagnostiziert wurde. Wieder musste er chemotherapiert werden. Fabián war zu dieser Zeit sehr lebhaft und lachte viel. Wcnn er uns unbeschwert anlachte oder herumalberte, zerriss es uns das Herz. Auf Anraten der Ärzte wurde im Januar 2004 eine Knochenmarkstransplantation durchgeführt. Doch nach drei Wochen hartem Kampf auf der Intensivstation starb unser über alles geliebter, größter Schatz. Er hätte so gerne leben wollen. Es gibt keine Worte, die ausdrücken können, welchen besonderen Menschen wir verloren haben, und wie unsäglich verzweifelt wir darüber sind. Hier ist nur in wenigen Worten beschrieben, wie hart die Jahre waren, die Fabián hinter sich hatte.

Sein Grabstein ist weiß und in der Grabreihe sehr präsent, so wie unser Sohn im Leben auch war. Das Grabmal soll ausdrücken, was für ein guter, besonderer Mensch unser Fabián war. Das darauf eingravierte Bobby-Car war sein Lieblingsfahrzeug. Für ihn war es ein kleines Stück Freiheit, wenn er zu Hause auf der Straße damit fuhr oder die Krankenstation damit unsicher machte. Fabián war so beliebt bei allen, und er liebte die Menschen. Manchmal hatte ich das Gefühl, mit einem Star unterwegs zu sein.

Die zwei weißen Engel am Sockel sollen ihn beschützen.

F A B I Á N , wir lieben Dich so, so sehr.

Deine Mama, Papa u. Julián Birgit Mendoza